über Müll // about trash

*english version still under construction*

 

Müll ist ein unvermeidbares Produkt des menschlichen Lebens und seiner Kultur. Was wir Müll nennen, hängt immer davon ab, unter welchen Umständen und in was für einer Gesellschaft wir leben. Kein Weg führt am Müll vorbei, jeder Mensch produziert Müll: der Millionär in der Luxusvilla genauso wie der Obdachlose vom Bahnhof. Müll ist auch immer ein Streitthema, ob in der Politik (Umweltschutzdiskussion) oder in der Ehe („Schatz, bring du dochheute mal den Müll raus“), Müll ist eines der eher unangenehmen Themen in unserer Gesellschaft.

Klar, denn Müll ist das, was wir nicht mehr brauchen, was kaputt ist.

Im Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz wird Müll definiert als „alle beweglichen Sachen, deren sich ihr Besitzer entledigt, entledigen will, oder entledigen muss…“.Seit es Menschen gibt produzieren sie Müll. In der Steinzeit und auch noch im Mittelalter warendie Hauptbestandteile des Mülls Stein und Keramikreste, Lehm von Hütten und Tierknochen. Im Mittelalter gab es noch keine Mülleimer, wie wir sie heute kennen, da die Bestandteile des Mülls hauptsächlich von organischer Natur waren. Die Menschen hatten damals Lehmböden, in denen sich der Müll mit der Zeit festtrat und durch die damals halbdunkle Belichtung der Räume war der Müll ohnehin nicht sichtbar. Die Lehmfußböden wurden oft mit Sand oder Flechtmatten bedeckt, um Feuchtigkeit, Staub, Asche und Gerüche zu binden.

Mit dem Industriezeitalter kamen strukturelle Entwicklungen wie die industrielle Produktion von Massengütern, ein rapides Städtewachstum und die Einführung der Kanalisation. Dadurch veränderte sich natürlich auch der Müll, denn da immer mehr produziert wurde, hatten die Menschen auch immer mehr wegzuwerfen. Und als der zweite Weltkrieg vorüber war, wandelte sich die bisherige „Sammelgesellschaft“ zu einer regelrechten „Wegwerfgesellschaft“, wie wir auch heute im 21. Jahrhundert noch oft zu sagen pflegen. Die Zeiten sind nicht mehr so schlecht, dass wir alles „hamstern“ müssen, nein, wir können sogar wählen was wir besitzen möchten und wie lange. Wir haben sozusagen die Freiheit wegzuwerfen. Ja, wegwerfen macht in gewissem Sinne sogar frei. Nicht ohne Grund gibt es den Begriff des „Ent-Sorgens“. Sich freimachen von den Sorgen.

Obwohl heutzutage viele Menschen ein gesundes Umweltbewusstsein haben (nachdem in den 70er Jahren die Recycling Bewegung ins Rollen kam) geht es doch so oft um kaufen, haben, besitzen, immer mehr, immer bessere, neuere Produkte, es geht immer ums Konsumieren. Und damit sich die Menschen immer mehr kaufen können, müssen sie ja die alten Sachen auch wegwerfen können.

Und selbst die, die das gar nicht wollen, kommen nicht um den Müll herum, da allein durch Verpackungsmaterialien immer Müll entsteht. Eine Verpackung wird nur so lange gebraucht, wie man etwas darin transportiert oder aufbewahrt, aber wird der Inhalt dann benutzt oder gegessen ist sie nutzlos und somit Müll.

 

Wichtig zu sagen ist an dieser Stelle noch, dass man das Thema Müll praktisch in drei verschiedene Bereiche trennen kann: Es gibt den Hausmüll, den Abfall und den Müll im öffentlichen Raum.

Ist die Rede von Hausmüll, geht es oft um z.B. Mülltrennung, Küchenmülleimer, Papierkörbe, verschiedene Fächer in Mülleimern und um die eigentliche „Trennung“ von Mensch und Gegenstand. Um diese Trennung geht es natürlich auch bei Müll im öffentlichen Raum, doch da geht es vor allem noch um das Umweltbewusstsein der Bürger, um die Verteilung öffentlicher Mülleimer und um die Organisation des Ganzen.Auch wenn die Begriffe Müll und Abfall in der Umgangssprache quasi als Synonyme verwendet werden, so besteht in Wirklichkeit der Unterschied darin, dass der so genannte Abfall da anfängt, wo der Müll aufhört. Alles was private Haushalte verlässt gilt als Müll, doch wenn all dies in Tonnen oder Deponien zusammenkommt, ist die Rede von Abfall. Dann geht es um Recycling, um die Weiterverarbeitung und um die Umwelt.

Was werfen wir denn eigentlich weg und warum?

Die Gegenstände, die Menschen wegwerfen sind oft lädierte, eingedrückte, alte, beschädigte, abgerissene, verrostete, zerzauste, durchbrochene, halbe, verdorrte, verbeulte, kurz gesagt:

Kaputte Dinge. Dinge, die nicht mehr gebraucht werden.

Der Akt des Wegwerfens hat, wie schon kurz angesprochen, damit zu tun sich frei zu machen, frei für entweder ein neues Produkt, oder frei von Materialität. Jeder kennt das gute Gefühl, wenn man mal die Wohnung ausmistet und sich danach endlich von vielen alten Dingen trennen kann. Man wirft sie weg. Und das befreit. Man wirft ein Stück Vergangenheit weg. Erinnerungen, gute wie schlechte. Man schließt ein Kapitel ab, macht sich bereit für Neues, bewältigt die Vergangenheit. Nun können neue Dinge gekauft werden, ein neues Kapitel kann begonnen werden. Der Konsum wird angekurbelt. Wegwerfen ist aber auch eine Konfrontation mit der Vergangenheit. Man muss sich damit auseinandersetzen, ob man ein Produkt noch haben möchte, oder nicht. Und warum man es nicht mehr haben möchte.

Und nicht zuletzt erinnert uns die Vergänglichkeit der Dinge, die wir wegwerfen an unsere eigene Vergänglichkeit, daran, dass nichts von Dauer ist.

A propos Vergänglichkeit: Wer kennt ihn nicht, den widerlich süßlichen Geruch, den Mülleimer verströmen, sind sie mit alten Lebensmitteln gefüllt. Und dieser Geruch, der erinnert uns an das Verwesen. Auch wir werden irgendwann verwesen. Das macht uns Angst und wir werden unfreiwillig damit konfrontiert. Das erklärt, warum wir den Geruch nicht mögen, warum wir uns oft ekeln vor Müll, oder vor Mülleimern, vor allem wenn wir sie anfassen müssen.

Es ist außerdem sehr wichtig, dass definiert ist, was in den Mülleimer hineingeworfen wird. Das hängt vom Standort des Mülleimers ab und deshalb unterscheidet man zwischen öffentlichen Mülleimern, Papierkörben, Küchenmülleimern und Kosmetikeimern.

Denn in jedem Wohnraum passieren unterschiedliche Aktivitäten, die jeweils ihren individuellen Müll produzieren.

Ein Mülleimer wird durch seinen Inhalt interessant. Anhand dessen kann man das Konsumverhalten der Menschen so gut analysieren wie sonst kaum. Man kann anhand des Mülls, den eine Gesellschaft produziert, oder auch jeder Einzelne, eine Geschichte zusammensetzen, man erfährt etwas über die Kultur und die Gewohnheiten, über die Wertschätzung und das Verhalten der Menschen.

Während meines Projektes wurde mein Blick darauf natürlich geschärft und bei einigen Mülleimern in der Stadt weiß ich inzwischen schon vorher, was mich darin erwarten wird.

Gibt es beispielsweise in der Nähe eine Badische Backstub, kann man davon ausgehen, dass sich in den umliegenden Mülleimern und auch auf dem Boden viele gelb-rote Bäckertüten von der badischen Backstub befinden.