Arbeitsprozess // work in progress

*english text below*

ERFAHRUNGEN:

Während des Arbeitsprozesses hat sich ein fast autistisches Sammeln und ein regelrechter Jagdtrieb nach Müll entwickelt und wahrscheinlich werde ich nie wieder an einer Plastiktüte oder einem Schokobonpapierchen vorbeilaufen können, ohne den unmittelbaren Drang zu verspüren, es mitzunehmen. Ich sehe den Müll auf den Straßen gar nicht mehr als solchen, sondern eher erscheint er mir wie ein riesengroßes kostenloses Materiallager.

Die Erfahrungen, die ich beim Müll sammeln hatte, waren teilweise auch etwas verstörend:

Also die Blicke, die man erntet wenn man in einem Mülleimer wühlt, sind schon irgendwie verwundert und auch mitunter herablassend. Holt man dann nicht einmal eine Pfandflasche raus, sondern eine alte Bäckertüte, muss das schon ein komischer Anblick sein. Ebenso wenn man einfach Müll von der Straße aufhebt und einsteckt. Das habe ich den Leuten auch angemerkt – einige wenige fragten mich jedoch was ich damit vorhabe und waren interessiert. Natürlich kamen auch Sprüche wie: „Ey kuck ma was die Alde da vom Boden aufhebt, isch die dumm oder was?“ In einem solchen Moment kam ich mir dann auch wirklich irgendwie blöd vor und musste mich erstmal neu motivieren.

Positiv war aber die Erfahrung, dass ich mich tatsächlich gefreut habe, wenn ich wieder etwas gefunden habe und teilweise wirklich meine Laune davon abhing, welcher Müll gerade präsent war. Es gab da ein Erlebnis, an das ich mich noch genau erinnere:

Es war schon nach zehn Uhr abends und ich war auf dem Heimweg von der HfG in die Oststadt und ziemlich mies drauf, da die Bahnen mal wieder streikten oder aus irgendeinem anderen Grund nicht fuhren. Außerdem war es windig und kalt und ich war genervt. Als ich die Fußgängerzone erreichte, in der Hoffnung auf eine Bahn, sah ich, dass überall die Wertstofftonnen draußen standen, bereit am nächsten Tag geleert zu werden.

Da es noch zehn Minuten dauerte, bis die nächste Bahn kommen sollte und mir in dem Moment auch egal war ob ich jetzt blöd angeschaut werde, begann ich in den Mülltonnen nach Brauchbarem zu suchen. Und siehe da: Ich fand mehrere Pizzakartons, aus denen ich Pappringe für die Donuts und Bommel schneiden konnte. Das erheiterte mich tatsächlich schon ein kleines bisschen. Ich wühlte weiter und teilweise war es auch etwas eklig, aber ich konnte irgendwie auch nicht damit aufhören. Die Bahn war inzwischen schon vorbeigefahren – ich hatte gar keine Lust mehr einzusteigen, denn mein Fund hatte den Tag gerettet: Eine Familienpackung Kinder Schokobons, extragroß, also die kleinen einzelnen Verpackungen davon nur, aber fein säuberlich wieder in das große Päckchen gesteckt. Mindestens fünfzig Stück waren da drin.

Auch wenn das jetzt für manch einen komisch klingen mag, aber ich habe mich wirklich total gefreut über diesen Zufall und lief den Rest der Strecke, immer wieder in die Mülleimer lauernd, guten Mutes nach Hause.

***

EXPERIENCES:

During the working process I developed an almost autistic collecting and hunting instinct for trash. Probably I won’t be able to pass a plastic bag anymore – I will always think for a second and consider it as material. I try to see our streets as huge material storages instead of polluted pavements.

The experiences I made when collecting waste were sometimes confusing:

People mostly looked at me disgustedly when I was rummaging through trash bins in the city. If you don’t even take out cans (because of the deposit) but only old paper bags, or when you just pick up trash from the streets and put it into your pocket, people must be really wondering. Some people were still interested and asked my why I am doing that or what I want to do with the trash and those were of course nice experiences.

One afternoon there were three young boys walking behind me while I picked up something from the ground and they said „look at this twerp, is she stupid?“. In that moment I started to feel kind of stupid and I really had to psych me up  before I went to collect trash again.

The positive aspects nevertheless prevailed and I realized that my mood depended very much on how succesful I was with finding trash. There was one experience I still remember very clearly: It was ten o clock in the evening already and I just came from university and went home to the other end of the city. Trams weren’t on time again, it was cold and windy and I was not in the best mood. When I came to the pedestrian area, I saw all the recycling containers in the streets waiting to be emptied the next morning. It still took so long for the tram to come and I didn’t care about anything in this moment anyway, so I just opened the containers and had a look inside. I didn’t care if someone was looking at me or if people were talking about me and guess what happend: I found several old pizza cardboards (the rings for the donuts/pompoms are made from those) and I already felt better.

It was really also a bit disgusting but I just could not stop it in that moment. The tram was long gone by then and I didn’t want to take another one anymore, I just continued my search and then it finally made my day: There was a big family pack of the Kinder Schokobons (milk chocolate eggs) packagings. They small packagings were neatly put into their big pack again – I was fascinated and happy. This is how I love to find trash. It was about fifty of them.

This might sound awkward, but it honestly made me feel better in that moment and I went home happily, still having a look at one or two containers.

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